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Best-Practices für die Logistik im E-Commerce Handel

Wie wird die Logistik im E-Commerce-Umfeld umgesetzt?

Die Vorteile eines Webshops liegen auf der Hand. Online-Shops ermöglichen dem Kunden grosse Zeitersparnisse, denn sie können Artikel von überall her rasch und zu jedem Zeitpunkt bestellen. Der Online-Anbieter profitiert davon, seine Ware zu tieferen Preisen anbieten zu können und damit konkurrenzfähiger als mit einem physischen Store zu sein. Gemäss Forester wird der E-Commerce Markt im B2B-Sektor die 1,2 Dollar Milliardenmarke bis 2021 erreichen. Dies bedeutet für B2B-Unternehmen, dass sie die Digitalisierung ihrer Prozesse auf Vordermann bringen müssen. Auch in der Schweiz berichtet die Handelszeitung, dass Onlinehändler ihren Anteil von 5% auf 10% am Gesamtumsatz von 7,5 Milliarden CHF im Detailhandel bis 2020 verdoppeln werden. 

Deutschland liegt mit 50-65 Milliarden Euro bis 2018 auch im starken Wachstumstrend gemäss Statista, der Statistikplattform.Vor allem die Sparte Lebensmittel wächst schweizweit stark an. Online-Bestellungen von Heimelektronik- und Computerware sowie Schuhe und Kleider steigen zwar auch an, jedoch relativ gesehen weniger stark. Auch demographisch verändert sich das Kundensegment stark: Ein «Shift» zu einer jüngeren Generation, die eine 24/7 Verfügbarkeit des Online-Stores mit intuitiven, einfachen und schnellen Kaufprozessen verlangt, zeichnet sich ab. 

 

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Abbildung: Lagerverwaltungssysteme spezialisieren sich auf mehrere Prozesse: Wareneingang, Einlagerung, Kommissionierung, Warenausgang, Retouren, Nachschub, Umlagerung oder Inventur. Oft sind sie an ein ERP-System angebunden sowie an den Webshop und laufen über mehrere Endgeräte (Clients).


Checkliste für die Logistik im E-Commerce

Doch wie bewältigt die Logistik die erhöhte Nachfrage im Onlinehandel? Wie aufwändig und kostenintensiv ist die Umstellung eines Logistiksystems auf die neuen Anforderungen eines Webshops? Solche Fragen stehen bei der Einführung eines E-Commerce Systems im Handel auf der Prioritätenliste. Hierbei kann eine einfache «Logistik-E-Commerce-Checkliste» Abhilfe schaffen.

 

 1. Wie sehen die Umsysteme und Prozesse aktuell aus?

 

Die Logistik hinter einem Webshop muss die Bestände stets in Echtzeit im Griff haben. Meistens sind diverse Systeme davon betroffen. Das ERP-System ist u.a. für die Bestellbuchungen, Finanzenabläufe und Stammdatenverwaltung zuständig. Angebunden an das Webshop-System (z.B. Hybris, Magento, shopify) erhält es oft die entsprechenden Aufträge für die Rechnungs- und Buchungsabläufe. Zwar verwalten einige ERP-Systeme auch die Bestände, sind aber oftmals nicht speziell dafür ausgelegt, ein Lager smart, datenbasiert und allenfalls sogar automatisiert zu bewirtschaften. Beispielsweise wickelt eine Logistiksoftware ein «Order Planning» oder «Yard Management» höchst optimiert ab. Das System weiss, welche Bestellungen reingekommen sind und steuert automatisch, welche Artikel wie kommissioniert, verdichtet und über welchen Versand-Channel zu welchem Kunden geschickt werden. Es ist nicht mehr notwendig und sinnvoll, eine fixe vordefinierte Zuordnung der Ware und Transportrampe zu definieren. Das System übernimmt diese Aufgabe, weiss ob Frischware (z.B. Salat) am Morgen oder Abend ausgeliefert werden muss und über welchen Versandkanal.

Es ist daher wichtig, die Ist-Umsysteme und deren Schnittstellen zueinander vorher zu analysieren. So ist ersichtlich, ob ein bestehendes Umsystem ersetzt oder aktualisiert werden muss.Fakt ist, dass die Differenzierung gegenüber der Konkurrenz nicht nur von der User Experience des Online-Shops selbst abhängig ist, sondern grösstenteils von der E-Commerce-Logistik dahinter. Ein Beispiel ist das Versandhaus Amazon, das seine Vorreiterrolle im Online-Markt massgeblich ihrer Logistik zu verdanken hat.

Eine wichtige Überlegung bei der Einführung eines Lagerverwaltungssystems ist, ob das System als Frontend-Modul des ERP-Systems fungieren soll oder als proprietäres System.

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Tabelle: Vor- und Nachteile eines separaten LVS-Systems sowie eines integrierten Logistiksystems im ERP.

 

Separates Logistiksystem vs. Warehouse Management im ERP?

Anhand dieser Grafik sehen Sie die Vor- und Nachteile eines separaten Supply Chain Management Systems zur Warenbewirtschaftung gegenüber einer Lagersoftware, welche im ERP-System integriert ist.

Bietet der Lagersoftware-Anbieter Schnittstellen zum ERP- und Datenbanksystem?

Falls der Weg eines separaten Lagerverwaltungssystems gewählt wird, so muss dieses Schnittstellen und -formate zum ERP-System einfach und ohne grosse Anpassungen gewährleisten können. Ob sich dahinter ein Navision, SAP, Microsoft Dynamics Axapta, oder ein inhouse entwickeltes ERP befindet, sollte als Kriterium zur Auswahl des optimalen LVS-Systems berücksichtigt werden. Nicht alle LVS-Anbieter unterstützen sämtliche ERP-Installationen oder Datenbanken-Typen.

 

2. Wie erreicht man Höchstgeschwindigkeit beim Versand im E-Commerce?

«Same-Day-Delivery», Kostensenkungen beim Shipping, Pickup-Filialen, wo die Kunden die Ware direkt abholen können und unkompliziertes Rückversand-Handling sind die Hauptmerkmale der Online-Händler. Diese Angebote werden immer stärker von den Endkonsumenten nachgefragt, denn sie reduzieren die Bestellhürde. So werden gar Filialen zu Umschlagsplätzen und Pickup-Points umgebaut, um die Liefergeschwindigkeit zu steigern und ein breiten Pickup-Netz aufzubauen. Dies impliziert, dass das Logistiksystem im Grosshandel Mehrkundenaufträge über verschiedene Lagerstandorte hinweg schnell und kostengünstig steuern können muss. Die Versandvarianten werden vom Lagersystem nach Lieferort und Artikelart priorisiert automatisch ausgewählt.

Deshalb sind Standardschnittstellen vom Logistiksystem zu den gängigen Paketdienstleistern und Transportanbietern ein «Must-have». So muss eine integrierte Logistiklösung angeschafft werden, welche aufgrund der Gewichts- und Abmessungsinformationen des Artikels direkt die Etikettierung für den Spediteur ausdrucken und die entsprechenden Daten (z.B. wie Liefertermine, Qualitätsanforderungen, Sicherheitsaspekte) an den Spediteur übermitteln kann. Eine direkte Kommunikation zwischen dem Lagerverwaltungssystem und DHL, der Schweizerische Post AG oder beispielsweise Planzer Transporte sind dann einfach konfigurierbar.

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Abbildung: Fast Shipping via Drohnen.

Auch der Verpackungsprozess ist davon betroffen. In der Webshop-Verpackungszone werden Einzelkommissionierungen aus unterschiedlichen Lagerbereichen verdichtet, versandfertig aufbereitet, mit Lieferschein bestückt, verpackt und dem jeweiligen Versandkanal zugewiesen. Sperrige Möbel bedürfen beispielsweise eines anderen Verpackungsprozesses und Versandkanals als Kosmetika. Für jeden Versand muss somit transparent im System sichtbar sein, welcher Artikel sich in welchen Paketen befindet und wie hoch die jeweilige Stückzahl ist. Gleichzeitig sollten sämtliche Prozesse von den Mitarbeitenden auf der Lagerkonsole und auf den Scannern anpassbar und nachverfolgbar sein.

 

3. Wie viel Automation ist grundsätzlich sinnvoll für meinen Shop?

«Automatisation kann schneller sein, muss aber nicht. Je nach Kundenausgangslage wie z.B. dem Artikel, Branche, finanzieller Mittel, Lagergrösse ist eine Mann-zu-Ware Lösung mit manuellem Picking aus ROI-Sicht geeigneter als ein automatisches Flurfördersystem».

erklärt GS1 Mitglied und langjähriger Logistikexperte Hanspeter Harnisch.

Für weitläufige grosse Lager eignen sich Flurfördersysteme. Wenn es darum geht, den Lagerplatz optimal auszuschöpfen und es um kleine, selten verwendete Artikel (z.B. Kleinteile in der Industrie) geht, ist das Kardex-System oder eine AutoStore Lösung ideal.

 

Die Wahl des Automationsgrads beim Picking hängt von verschiedenen Faktoren ab:
  • Zonendesign des Lagers: So macht es oft Sinn, zwei Zonen mit unterschiedlichem Automationsgrad zu bilden, eine für schnell- und eine für langsamlaufende Artikel.
  • Für einfache und wertsteigernde Prozesse wie das Verdichten, optimales Zusammenlegen gewisser Artikel eignet sich ein Roboter oder eine Automationsanlage
  • Organisatorische und operative Reglemente und Sicherheitsvorgaben spielen bei der Wahl des möglichen Automationssystems ebenfalls eine wesentliche Rolle.

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Abbildung: Lagerverwaltungssysteme können nebst Robotern Flurfördersysteme, automatische Kleinteile- und Hochregallager sowie Licht- und Sensortaster intelligent ansteuern.

 

Wichtig ist, im Hinterkopf zu behalten, dass es um ein durchgängiges Logistiksystem geht, bei dem die Nachvollziehbarkeit von Wareneingang, Kommissionierung, Warenausgang, Verlad bis zum Endkunden nahtlos funktioniert. Auch sollte die Wahl des Automationsgrads skalierbar sein und hinsichtlich erhöhter Peak-Nachfragen dementsprechend reagieren werden können.

 

4. Gibt es Best-Practices für die Hardware und Kommissionierungstechnik?

 

 

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Abbildung: Scanning mit iPhones bedeutet Investitionsschutz. Von der Wiederverwendbarkeit von Scanhüllen profitiert der Lagerleiter und Logistikeinkäufer. Es handelt sich um eine nachhaltige Lösung, welche unabhängig vom Smartphone-Produktezyklus funktioniert.

 

Es ist wichtig zu überlegen, wie Mitarbeitende im Lager arbeiten. Sind diese mit der aktuellen Lösung zufrieden? Geht der Rüstvorgang schnell, mobil und einfach für den Kommissionierer? Abhängig vom Automationsgrad und davon, ob es sich um ein Mann-zu-Ware oder Ware-zu-Mann System handelt, kann bei der Picking-Technologie und Hardware optimiert werden. So kann der Einsatz von Smartphones oder Handsfree-Picking Ansätzen (z.B. Pick-by-Voice oder Smart Glasses) die Picks pro Mitarbeiter massiv steigern. Es gibt durchaus Scanner-Geräte, die einen Investitionsschutz bieten, da sie unabhängig von neuen Geräteproduktezyklen wiederverwendbar sind (z.B. Linea Pro und Linea S Scanhüllen). Der bestehende Hardwareeinsatz und eine Neuanschaffung sollte im Rahmen einer Einführung oder Umstellung auf ein E-Commerce-System hinterfragt werden.

E-Commerce Logistik auf den Punkt gebracht. Dies sind vier zentrale Checklistenpunkte, denen sich die Logistik- und IT-Leitung bei der Einführung eines E-Commerce Systems stellen sollte, bevor ein Shoppingsystem angeschafft wird. Dataphone unterstützt aus Supply Chain Sicht zahlreiche Grosskunden für eine erfolgreiche Umsetzung kundenzentrierter und digitaler Business-Modelle.